Velokuriere schrecken vor nichts zurück. Dies bewiesen sie an der Schweizer Meisterschaft am vergangenen Samstag in Basel: einer Schlammschlacht im Sinne des Wortes.
LT. «Es war ein mörderisches Rennen.» Tobias Grimm weiss dies aus Erfahrung, denn er hat an der Velokurier-Meisterschaft an der Grenze zwischen Basel und Frankreich zusammen mit drei weiteren Bielern teilgenommen. Zwei Bieler erreichten nach 25 Kilometern das Ziel, zwei blieben auf der Strecke. Dies entspricht in etwa dem statistischen Durchschnitt: Von 54 Startenden erreichten 25 die Ziellinie.
Die Meisterschaft war als Cross-Country-Road-Race-Orientierungs-Rally angekündigt worden - was einiges über die Anforderungen an die Fahrer aussagt: Die coupierte Strecke bot so ziemlich alle Schwierigkeiten, die man sich vorstellen kann - und noch einige darüber hinaus:
Durch den Dauerregen der vergangenen Tage war der erste Teil des Weges, er führte rund zehn Kilometer durch den Wald, komplett aufgeweicht. Die Velokuriere steckten zeitweise bis zu den Knien im Schlamm. Aus Velofahrern wurden Veloschieber, denn selbst für jene Glücklichen, die über Reifen mit gutem Profil verfügten, gab es kein Durchkommen mehr. A propos Reifen: Die Kuriere starteten mit praktisch allen auf dem Markt verfügbaren Velotypen. Mit Mountain- und Citybikes, mit Rennvelos und solchen ohne Gänge.
Im Gegensatz zur Weltmeisterschaft gab es dieses Mal keine Sonderaufgaben zu lösen - zumindest nicht offiziell: Die Fahrer passierten mehrmals die Grenze zwischen der Schweiz und Frankreich; etliche mussten sich an den Grenzübergängen ausweisen.
Doch gescheitert ist die Hälfte der Fahrer nicht am Schlamm, nicht an den Steigungen und auch nicht an geländeuntauglichen Bikes. Gescheitert sind die Velokuriere am Orientierungslauf, der sich als enorm schwierig erwies. Denn über Karten der Strecke verfügten sie nicht; stattdessen mussten sie sich mittels Fotos von Details orientieren: Anhand von Bildern von Bäumen oder Kreuzungen, Fixpunkte, die manchmal zehn Meter, manchmal zehn Kilometer auseinander lagen.
Die zwei ausgeschiedenen Bieler haben sich schliesslich verfranst, doch bemerkt haben sie dies erst nach rund 15 Kilomtern - zu spät, um umzukehren. Auch Tobias Grimm verlor an einem besonders schwierigen Orientierungspunkt 15 Minuten und erreichte das Ziel als 16.; sein Kollege Peter Bichsel als 18. Kein Glanzresultat, «doch es war lustig», betont Tobias Grimm: «Wichtig war vor allem das Mitmachen, keiner hat sich genervt.»
Die Bieler neiden denn auch dem Basler Beat Müller weder den Sieg noch den Preis, eine Reise zu den Velokurier-Weltmeisterschaften in Boston im Jahr 2000. Der Basler habe nicht gewonnen, weil er die Strecke besser kannte als Auswärtige, sagt Tobias Grimm: «Die Basler sind einfach starke Fahrer.»
Bieler Tagblatt vom 04.10.1999
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